Oooh Zundel!

Nein – wir sind nicht eingeschlafen und lebendiger denn je. Immer wieder tun sich neue Quellen auf, die das Gesamtbild der Jugendzentrumsbewegung weiter vervollständigen oder neue Aspekte hinzufügen. So gibt es neben uns weitere Aktivitäten, wie einen neuen Kontakt zu jemanden, der eine Arbeit über die saarländischen JZ schreibt. Dort scheint auch gerade eine Webseite zu entstehen. Wir werden berichten. Wie wichtig und bedeutend die Arbeit in den selbstverwalteten JZ war, zeigt sich auch gerade daran, wie gesellschaftliche Entwicklungen heute neu diskutiert werden. So wird aktuell doch immer wieder der mangelnde Zusammenhalt und das fehlende Engagement beklagt, das einhergeht mit einer zunehmenden und ungesunden Individualisierung unserer Gesellschaft. Soziales Engagement ist der Kitt einer Gesellschaft, Gemeinsinn ein wichtiges Werkzeug.

Ein Gespenst geht um, nein, nicht das des Kommunismus, sondern die böse Fratze von der anderen Seite. Es wird niemanden entgangen sein, dass die sogenannte „schweigende Mehrheit“ in Deutschland endlich auf die Straße geht um gegen die braune Brut Flagge zu zeigen. Das war mehr als überfällig, denn wer immer noch glaubt, die wären gar nicht so schlimm, der irrt gewaltig. Wir sind über lange Zeit fett und träge geworden, auch politikmüde, haben uns lieber am Konsum berauscht statt uns zu engagieren. Günther Eich hat in einem Gedicht geschrieben: „Wacht auf, denn eure Träume sind schlecht.....“

Und viele Menschen sind aufgewacht und haben Stellung bezogen gegen den aufkeimenden Faschismus im Lande. 

Und was haben wir damals gemacht? Es gab im JZ viele politische Veranstaltungen zu unterschiedlichen gesellschaftlichen Themen, auch gegen rechts. Ein großer Erfolg war damals die Demaskierung des Stadtrats Treibel, der schließlich zurücktreten musste. Wir haben zudem noch einen Film zum Thema im Petto, der auf einer großen Demo gegen die NPD in Ketsch Ende der 70ger gedreht wurde. Amateurhaft, aber ein Zeitdokument. Meines Wissens kamen ca. 5000 – 6000 Demonstranten in Ketsch zusammen, damals eine Hochburg der Rechten. „When Left is right and Right is wrong – you better decide which side you`re on“ sang damals die Tom Robinson Band aus England, die wie viele Bands klar Stellung bezogen gegen das Treiben der National Front auf der Insel. Wie überhaupt viele Musiker damals noch eine Haltung hatten, die man heute stark vermisst. Aber das ist ein anderes Thema....


Unser Highlight in diesem Newsletter ist eine Radiodiskussionssendung

namens „Nahaufnahme“ vom Süddeutschen Rundfunk, die Christian für uns ausgegraben hat. Unter dem Titel:“Verwaltung contra Selbstverwaltung“ diskutieren hier der damalige OB von Heidelberg, Zundel, Dieter Böhl als Vertreter des Fördervereins unseres JZ, ein Herr Bergmann (Sozialwissenschaftler) und Wolfgang Stather als Vertreter des damaligen CA (Collegium Academicum). Um es vorweg zu nehmen: es lohnt sich! Auch wenn bei Zundels Ausführungen der Kamm schwillt und der Aggressionspegel unaufhaltsam nach oben schnellt. Mit einer unglaublichen Arroganz und altväterlicher Überheblichkeit beweist er auch nachträglich, warum er damals (nicht nur in linken Kreisen) verhasst war. Nehmt euch die Zeit und macht die kleine Zeitreise.

Ein besonderes Lob geht dieses Mal an unseren fleißigen Mitarbeiter Noubbel, der weiterhin die Fotos coloriert und unserer Seite eine neue Dimension hinzufügt. Danke!

Eine traurige Nachricht zum Ende: ein langjähriger Begleiter des JZ ist viel zu früh von uns gegangen. Beat ist kurz nach seinem 61.Geburtstag verstorben. Er war ein Mann der 2.Reihe, immer da, wenn man ihn gebraucht hat. Er konnte anpacken, war fast immer gut gelaunt und sein Lachen ansteckend. Er wird vermisst werden.


Zu guter Letzt: in absehbarer Zeit sind wir finanziell klamm. Die Spenden zum Unterhalt der Webseite sind weitgehend aufgebraucht und wenn wir sie nicht einstellen sollen (müssen), dann benötigen wir eure Unterstützung. Es wäre schade um dieses lohnenswerte Zeitdokument, das letztlich auch zeigt, was wir in unserer Jugend so getrieben haben. Und eure Kinder haben was zu lachen und können noch was lernen. Vielleicht auch der Einstieg in so manche Generation überschreitende Diskussion.


Unsere Kontonummer lautet: IBAN DE15 1203 0000 1080 6575 60

Empfänger: Christian Scharff, Jugendzentrum


Lasst euch nicht lumpen und tut wieder was in den Topf!


Und: Kommentare auf unserer Seite sind nach wie vor erwünscht!