In den 50ern und frühen 60ern war die Jugendarbeit in Deutschland ziemlich verstaubt – Sportvereine, kirchliche Gruppen und staatliche Angebote dominierten die Szene. Aber mit dem Wirtschaftswunder änderte sich das: Die Jugend hatte plötzlich mehr Freizeit und Bildung und wollten selbst bestimmen, was abgeht. Die Jugendzentrumsbewegung hob ab.
Die 68er-Bewegung brachte dann den Wandel: Antiautoritäre Ideen und die Forderung nach Selbstbestimmung machten die Runde. Die Jugendlichen hatten genug vom erhobenen Zeigefinger der Erwachsenen und wollten ihre eigenen Räume.
Musikalisch ging's auch ab: Erst Rock'n'Roll mit Elvis & Co., dann die britische Invasion durch Beatles und Stones. Deutsche Bands wie die Rattles und die Lords folgten, und später machte der experimentelle "Krautrock" international Furore. Diese alternative Musikkultur wurde zum Herzstück der Jugendzentren – sehr zum Missfallen konservativer Kreise, die gleich Drogenexzesse witterten.
Ein starker Antrieb war auch der Bruch mit der NS-belasteten Elterngeneration. Die Jugendzentren sollten nicht nur zum Rumhängen dienen, sondern Orte für politische Diskussionen und demokratisches Miteinander sein.
Getragen wurde die Bewegung vor allem von Schülern und Lehrlingen mit Unterstützung von Studenten und politischen Jugendorganisationen. Ab 1970 entstanden bundesweit Initiativen: Leerstehende Gebäude wurden besetzt oder durch politischen Druck zur Verfügung gestellt.
In der Hochphase zwischen 1970 und 1974 gab es in hunderten von Städten Jugendzentrumsinitiativen. Die Zentren wurden zu kulturellen Experimentierfeldern für Musik, Film und Politik – trotz wachsender Konflikte mit den Gemeinden.
Die Jugendzentrumsbewegung war letztlich eine der größten neuen sozialen Bewegungen der Nachkriegszeit und hat nicht nur coole Räume für junge Leute geschaffen, sondern auch kräftig zur Demokratisierung der deutschen Gesellschaft beigetragen.